Monte Verità

Auf der (Wieder-)Entdeckung des Monte

Hetty Rogantini de Beauclair - heute achtundachtzig - ist so etwas wie das lebende Gedächtnis des Monte Verità. Sie hat persönlich die ereignisreiche Zeit dieses Ortes miterlebt und uns durch eine Erzählung geführt, welche Erinnerung und Aktuelles zueinander in Bezug bringt. Der Park des Monte Verità ist in schöner Natur eingebettet, in ihm finden sich sowohl die Spuren der Vergangenheit wie auch die Ruhe der Gegenwart. Seinen Zauber wirklich zu greifen ist jedoch nicht selbstverständlich, denn geblieben sind Erzählungen und vereinzelte Objekte welche nur spurenartig das eine oder andere der Vergangenheit erahnen lassen. Eine Vergangenheit also welche nicht immer einfach zu entschlüsseln ist und in Kontrast steht mit Gewohnheiten und Werten der Gegenwart.

Wie in einer denkbaren Geschichte von Miyazaki sind diese vereinzelten Objekte die wahren Bewohner des Ortes - Gestalten welche uns schüchtern anschauen wenn wir vorbeikommen und scheinen sich hinter einem Baum oder einem Hügel verstecken zu wollen. Es sind Bezugspunkte des Monte, Objekte einer anderen, noch nicht entzauberten Zeit, zu der wir erst wieder Anschluss finden müssen.

Da ist die “Viererdusche”, gleich einem phantastischen Tier welches versucht sich am Waldrand zu tarnen und sich weigert Wasser aus sich herauszulassen. Da ist das schiefe Bett, welches sich vor der grellen, durchs Fenster scheinenden Sonne schützen will. Sogar die aus neueren Zeiten stammende Skulptur von Miki Tallone erinnert an eine schlafende Schildkröte, obwohl ihr Panzer mit seinen scharfen Kanten durchaus eine gewisse inhärente Aggressivität ausstrahlt.

Diese Darsteller / Objekte irritieren denn sie erscheinen komisch, deplatziert weil ihres Kontextes beraubt. Sie scheinen reduziert zu rein szenischen Sujets, obwohl sie doch früher integraler Bestandteil des Lebens auf dem Hügel waren. Sie hatten Ihre funktionale Daseinsberechtigung im Hinblick auf die Erfüllung von Gesundheit und Freude, Freiheitsgefühl und Utopie. Ein bisschen sind Sie wie das Bild von Hetty im Elisarion-Pavillon: stellen wir uns einen der Darsteller im Bild vor der aus irgendeinem Grund das Bild verlassen hat, älter geworden ist und uns über den Zauber anderer Zeiten berichtet.

Ein herzliches Dankeschön an Hetty für die schönen gemeinsam verbrachten Stunden und an Julian für die gute Organisation!

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